Kleinstparteien (ZEIT online)

Wenige Tage bis zur Wahl: Unsere Reporter beobachten, was unbemerkt bleibt. …  Am 24. September wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Und alle schauen auf Angela Merkel und Martin Schulz. Dabei passiert in diesem Wahlkampf viel mehr als das, was die Berliner Parteizentralen so aushecken. In 299 Wahlkreisen kämpfen Direktkandidaten um den Einzug ins Parlament, zwischen Flensburg und Friedrichshafen findet Wahlkampf im Kleinen statt. Welche Diskussionen werden dort geführt? Über welche Themen wird gestritten? Reporter von ZEIT ONLINE und der ZEIT reisen durch Deutschland. Ihre Impressionen, Geschichten und Begegnungen schildern sie bis zur Wahl in unserem Blog „Überland wählt“.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-09/bundestagswahlkampf-lokalreportagen-ueberland-live

u.a. von Imre Balzer

CDU, SPD, FDP – kennt jeder. Doch wer weiß eigentlich, was die Magdeburger Gartenpartei will? Nicht alle der 42 Parteien, die sich zur Wahl stellen, sind deutschlandweit bekannt. Deshalb stellen wir in unserer Reihe zehn der Parteien vor, die wenig beachtet werden. Dafür besuchen wir Wahlveranstaltungen, sprechen mit Kandidaten und lassen auch mal die Wähler zu Wort kommen. Warum geben Menschen Kleinstparteien ihre Stimme, obwohl diese es nie in den Bundestag schaffen?

André, 39, ist Kaufmännischer Angestellter. Er wird das Bündnis Grundeinkommen wählen – ist aber kein offizieller Vertreter der Mini-Partei. Das BGE wurde 2016 in München gegründet und hat inzwischen 16 Landesverbände. Bei der letzten Landtagswahl in NRW holte es 5.260 Stimmen, 0,1 Prozent.

In den meisten großen Parteien gibt es mittlerweile Anhänger des bedingungslosen Grundeinkommens. Was unterscheidet das Bündnis Grundeinkommen von den anderen? 
Weil sich das Bündnis Grundeinkommen nur einem Thema verschrieben hat, glaube ich denen eher, dass sie auch umsetzen, was sie fordern. Von den anderen Parteien wurde ich schon zu oft enttäuscht. Außerdem finde ich es sehr sympathisch, dass sie sich nach dem Erreichen ihres Ziels auflösen möchten.

Warum brauchen wir das Grundeinkommen denn? 
Ich sehe das bedingungslose Grundeinkommen als eine Möglichkeit, uns dauerhaft vom kapitalistischen Wirtschaftssystem zu lösen. Nur so werden wir verstehen, dass wir nicht für den Profit, sondern füreinander arbeiten. Das ist der Wandel, den ich mir für die Welt wünsche.

Wen haben Sie denn früher gewählt? 
Zunächst habe ich längere Zeit Die Linke gewählt, irgendwann habe ich dann angefangen, meinen Stimmzettel ungültig zu machen. Ich bin mit unserem Parteien- und Politiksystem im Gesamten nicht zufrieden. Ich glaube, der Kapitalismus ist wesentlich stärker als das, was uns Wählern an Mitbestimmung in unserem System versprochen wird. An einen Wandel aus dem System heraus glaube ich nicht mehr.

Und das Grundeinkommen würde etwas verändern? 
Ich denke nicht, dass das Grundeinkommen die Lösung ist. Aber es wäre ein Zwischenschritt und würde helfen, den Einfluss des Kapitalismus einzudämmen.

Das Bündnis wird vermutlich nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kommen. Manche würden sagen, Sie schmeißen ihre Stimme damit weg. 
Mir ist es wichtig, das zu wählen, woran ich glaube. Sonst wäre meine Stimme auf jeden Fall weggeschmissen. Und wie es dann tatsächlich ausgeht, das werden wir ja sehen. Vermutlich haben Sie recht. Ich bin trotzdem beeindruckt, wie sehr das Grundeinkommen europaweit zu einem Thema geworden ist.