Buchrezension zu Daniel Weißbrodt

Daniel Weißbrodt: Kurzer Abriss der deutschen Geschichte 2022-2050 – Wie das bedingungslose Grundeinkommen unser Leben und unsere Gesellschaft verändert hat.   

Rezension von Bernhard Meisel

Vom fiktiven Jahr 2050 aus blickt Daniel Weißbrodt zurück in die vergangenen Jahrzehnte. Er schaut auf die Unruhen der 2020er Jahre, den daraus resultierenden politischen Umbruch und zeigt auf, dass die Einführung des Grundeinkommens kein Zufall, sondern notwendige Folge einer sich verändernden Gesellschaft war.

Er begleitet rückblickend die Veränderungen in vielen Lebensbereichen anhand ausgiebiger Quellenstudien und wagt einen Ausblick in eine postkapitalistische Zeit nach 2050.

Unvergessen bleiben die Bilder des geborstenen Reaktors von Flamanville, als am späten Nachmittag des 25.März 2024 die Wolken mit ihrer radioaktiven Fracht nach Osten zogen und ein Großteil des Niederschlags wie von Meteorologen exakt vorhergesagt über der Schweiz niederging. Fünfhunderttausend Menschen, die überstürzt das Land verlassen hatten, konnten nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren, wurden nach Frankreich, Deutschland, Österreich umgesiedelt, erlebten Solidarität und Ablehnung.

Eine Kette von weiteren Ereignissen bestimmte die 2020er Jahre und führte zu Unruhen:

Durch die Maispest in Nordamerika wurden Lebensmittel weltweit knapp, teuer und lösten Fluchtbewegungen aus.

Der Tod der Berliner Kunststudentin Anastasia Niemann und staatliches Versagen bei den Ermittlungen der Hintergründe, Immobilienkrise, Bankrettung, schließlich die Räumung des Protestcamps und die Herbstdemonstrationen führten zum politischen Umbruch, beginnend mit dem Wahljahr 2029.

Aufgrund der Machtverschiebung und neuer politischer Verhältnisse wurde eine Kommission zur Machbarkeitsprüfung der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens eingesetzt. Deren Arbeit mündet schließlich in der Einführung zum 1. Januar 2032 verbunden mit einer großen Steuerreform.

Doch damit endet das Buch nicht! In der zweiten Hälfte analysiert Daniel Weißbrodt anhand einer ausführlichen Quellenauswahl die weitere Entwicklung der Grundeinkommensgesellschaft. Mit einer Fülle von konkreten Beispielen zeigt er auf, wie das Handwerk eine neue Gründerzeit hervorbringt und die Industrie sich unter den neuen Rahmenbedingungen anders als bisher, aber doch positiv entwickelt. Dabei erwähnt er Widerstände verschiedenster Interessenverbände, die die ersten Veränderungen kritisch begleiten.

Gegenüber der Forderung nach kürzeren Ausbildungszeiten finden neue Bildungsansätze Einzug: „Man kann ebenso wenig schneller lernen wie man auch nicht schneller schlafen kann.“

Einflüsse einer Grundeinkommensgesellschaft auf Umwelt, Landwirtschaft, Städte, Verkehr, Energie, Kriminalität und Sicherheit werden durchgespielt.

Als Leser kann man schon mal vergessen, dass diese so konkret und anschaulich beschriebenen und wissenschaftlich untermauerten Ereignisse Fiktion sind.

Der besondere Reiz bei der Lektüre dieses Buches war der Blickwechsel. Nicht dieses „Was wäre wenn …“ sondern dieses „Wie war das damals in den wilden 20er- und 30er-Jahren.“

18,00 EUR zzgl. Versandkosten beim Engelsdorfer Verlag
Art.Nr.: 978-3-96145-430-3
Autoren: Weißbrodt, Daniel
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Seiten: 308
Einband: Taschenbuch